
Wankdorfstadion (historisch)
Foto: Wikimedia Commons contributors · CC BY-SA
- Kapazität
- 64 000
- Eröffnungsjahr
- 1925
- Verein
- BSC Young Boys
- Land
- Schweiz
Übersicht
Über das Stadion
Das Wankdorfstadion im Berner Stadtteil Wankdorf gehörte zu den wichtigsten Fußballarenen der Schweizer und europäischen Geschichte. Eröffnet wurde es im Jahr 1925 und diente über sieben Jahrzehnte als Heimat von BSC Young Boys, einem der bedeutendsten Schweizer Fußballclubs. Im Laufe seiner Existenz entwickelte sich das Stadion mit einer Kapazität von bis zu 64.000 Zuschauern zum Schauplatz entscheidender internationaler Spiele und war fest im kulturellen Gedächtnis des Berner sowie des gesamtdeutschen Raums verankert.
Sein größter Ruhm wurde am 4. Juli 1954 erreicht, als es das Finale der Weltmeisterschaft zwischen Westdeutschland und Ungarn ausrichtete. Die ungarische Mannschaft, bekannt als Aranycsapat — die Goldene Elf mit Ferenc Puskás an der Spitze — war zu diesem Zeitpunkt seit 31 Spielen unbesiegt und ging als überwältigender Favorit in das Finale. Dennoch schaffte Deutschland eine Wende und erzielte in der 84. Minute durch Helmut Rahn das Siegtor zum endgültigen 3:2. Dieses Spiel ging als Bern-Wunder (Wunder von Bern) in die Geschichte ein und bedeutete für das Nachkriegsdeutschland mehr als einen sportlichen Triumph — es war ein Symbol für nationale Erneuerung und die Rückkehr auf die Weltbühne. In den folgenden Jahrzehnten beherbergte das Stadion auch das Finale des Europapokals der Landesmeister 1961 und das Finale des Europapokals der Pokalsieger 1989.
Das Schicksal des Stadions wurde im Jahr 2001 besiegelt, als es nach einer geplanten Abrissaktion abgerissen wurde. Die Fans der Young Boys verfolgten damals den Niedergang des physischen Gedächtnisses des Ortes wie eine Trauerzeremonie. Auf demselben Gelände wurde bis 2005 das moderne Stade de Suisse Wankdorf mit einer Kapazität von 32.000 Plätzen gebaut, das zu einem der Schauplätze der Europameisterschaft 2008 wurde und einen Verweis auf seinen berühmten Vorgänger im Namen trägt.
Geschichte
Reise durch die Zeit
Das Wankdorfstadion wurde im Jahr 1925 nach nur sieben Monaten Bauzeit eröffnet. Es wurde sofort zum Zentrum des Berner Fußballs — Heimat von BSC Young Boys, einem der erfolgreichsten Schweizer Clubs. In den ersten Jahrzehnten war es Zeuge zahlreicher Ligaspiele und baute sich allmählich den Ruf eines der attraktivsten Stadien der Alpenregion auf.
Das Hauptkapitel seiner Geschichte bleibt die Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz. Am 4. Juli 1954 veranstaltete Wankdorf das Finale zwischen Westdeutschland und Ungarn vor über 62.000 Zuschauern. Die ungarische Mannschaft — Aranycsapat (die Goldene Elf) um Ferenc Puskás — war zu dieser Zeit seit 31 Spielen unbesiegt und ging als klarer Favorit in das Finale. Außerdem hatte Ungarn in der Gruppenphase desselben Turniers Deutschland mit 8:3 besiegt. Als Ungarn nach acht Minuten 2:0 führte, rechnete niemand mit einer Wende. Dennoch glich Deutschland auf 2:2 aus, und in der 84. Minute erzielte Helmut Rahn das Siegtor — 3:2. Das Spiel ging als "Bern-Wunder" (Wunder von Bern) in die Geschichte ein.
In den folgenden Jahrzehnten veranstaltete Wankdorf unter anderem das Finale des Europapokals der Landesmeister 1960–61 und das Finale des Europapokals der Pokalsieger 1988–89. Im Jahr 1989 fand hier ein Freundschaftsspiel zwischen Wales und Brasilien statt. Das Stadion war während der gesamten Zeit die Hauptarena von BSC Young Boys und der Ort, an dem entscheidende Momente des Schweizer Fußballs stattfanden.
Das letzte Ligaspiel im historischen Wankdorf fand am 7. Juli 2001 statt — Young Boys spielten 1:1 gegen FC Lugano. Am 3. August 2001 wurden in Anwesenheit von etwa 4.000 Zuschauern mit Hilfe kontrollierter Sprengung (20 kg Sprengstoff) die Haupttribüne und drei Lichtmasten abgerissen; vom gesamten Stadion blieben 500.000 Kubikmeter Schutt übrig. An derselben Stelle wurde bis 2005 ein neues Stade de Suisse Wankdorf mit einer Kapazität von 32.000 Plätzen erbaut, das zu einem der Schauplätze der EURO 2008 wurde.
Vereine & Teams
Atmosphäre
Spieltag
Die Atmosphäre des Wankdorfs ist untrennbar mit dem Kontext verbunden, in dem seine großen Momente entstanden. Das WM-Finale 1954 war nicht nur ein Fußballspiel — es war eine Metapher für das Nachkriegseuropa. Die ungarische Mannschaft Aranycsapat unter der Leitung von Trainer Gusztáv Sebes und mit Stars wie Ferenc Puskás, Sándor Kocsis und Nándor Hidegkuti stellte damals das modernste Fußballsystem der Welt dar; ihr freier Angriffs-Stil war seiner Zeit um eine Generation voraus. Auf der anderen Seite stand Westdeutschland — eine Nation, die sich nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs wieder in die internationale Gemeinschaft zurückkämpfte, geleitet von Trainer Sepp Herberger.
Als Rahn in der 84. Minute das Siegtor erzielte und der Kommentator Herbert Zimmermann in das Mikrofon seinen legendären "Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus!" rief, hörte das Spiel auf, ein Sport zu sein. Für Millionen von Deutschen, die am Radio lauschten, war es ein Moment der nationalen Katharsis — Deutschland war nach dem Krieg zum ersten Mal wieder Meister, anerkannt und respektiert. Historiker diskutieren bis heute, inwieweit das "Bern-Wunder" zur Formierung einer neuen deutschen nationalen Identität in den 50er Jahren beigetragen hat.
Die Fans von BSC Young Boys empfanden Wankdorf über Jahrzehnte hinweg als einen heiligen Ort. Die gelben Farben des Clubs und der stürmische Beifall der Tribünen schufen eine spezifische Berner Atmosphäre, in der kantonale Stolz mit Fußballleidenschaft verschmolzen. Der Abriss im Jahr 2001 traf die Fans wie der Verlust eines physischen Gedächtnisses des Ortes — viele von ihnen betrachteten die letzte Explosion als Trauerfeier.
Heute trägt das moderne Stade de Suisse Wankdorf das Erbe der Atmosphäre des ursprünglichen Stadions: Auf demselben Boden kehren die Young Boys in einem modernen Stahl- und Glashaus bei jedem Spiel zur Geschichte des Ortes zurück, die sie übersteigt.
Praktische Infos
Das Stadion besuchen
Das historische Wankdorfstadion wurde im Jahr 2001 abgerissen und existiert physisch nicht mehr. An seiner Stelle steht im Berner Stadtteil Wankdorf, etwa 2,5 km nördlich des Stadtzentrums, seit 2005 das moderne Stade de Suisse Wankdorf (auch genannt Stadion Wankdorf). Das neue Stadion mit einer Kapazität von 32.000 Plätzen ist die Heimat des BSC Young Boys und beherbergt auch Spiele der Schweizer Nationalmannschaft.
Die Verkehrsanbindung ist sehr gut. Vom Berner Hauptbahnhof führt der bequemste Weg mit der Tramlinie Nr. 9 in Richtung Guisanplatz — Ausstieg direkt am Stadion. Alternativ gibt es S-Bahn-Linien (RBS), die an der Haltestelle Bern Wankdorf in unmittelbarer Nähe der Arena halten. Aus verschiedenen Teilen der Stadt fährt auch der Bus Nr. 20 mit Haltestelle Wyler (3 Minuten zu Fuß).
Das moderne Stadion verfügt über eine Fußbodenheizung und ein Dach mit Solarpanelen, die jährlich etwa 1,2 Millionen kWh produzieren. In der Umgebung können auch das Berner Historische Museum oder das Stadtzentrum mit dem Einstein-Haus besucht werden; der gesamte Stadtteil Wankdorf hat durch neue Büro- und Gewerbe-Komplexe, die gleichzeitig mit dem Stadion errichtet wurden, eine städtebauliche Transformation durchlaufen.
Karte
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