Velodrome Humbert I
🇮🇹Italien·Turin

Velodrome Humbert I

15 000Plätzeseit1894

Foto: nothing · Public domain · zdroj

Kapazität
15 000
Eröffnungsjahr
1894

Übersicht

Über das Stadion

Das Velodromo Umberto I war eine historische Sportstätte in Turin, benannt zu Ehren von König Umberto I. von Savoyen. Es wurde im Jahr 1894 erbaut und diente ursprünglich als Radrennbahn, während es seit 1898 auch Fußballspiele ausrichtete. Es befand sich in dem renommierten Viertel La Crocetta, im Park Corso Re Umberto in der Nähe des Mauriziano-Krankenhauses. Zu seiner Zeit war es eine der bedeutendsten Sportstätten Norditaliens.

Lage und Viertel La Crocetta

Die Anlage stand im Viertel La Crocetta, einem der elegantesten Wohnviertel Turins. Der Park Corso Re Umberto war und bleibt eine beliebte Grünfläche, umgeben von bürgerlichen Palästen aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Die Lage im Herzen der Stadt bot dem Velodrom einen natürlichen Zugang für die Bewohner der damals schnell wachsenden Industriemetropole. Die Lokalität liegt etwa 2 km südwestlich des historischen Zentrums von Turin und vom Platz Piazza Castello.

Multisportlicher Charakter

Das Velodromo Umberto I war keine eng spezialisierte Einrichtung – seit seiner Gründung kombinierte es Radfahren, Leichtathletik und Fußball. Genau diese Flexibilität machte es zu einem Schlüsselort im Sportleben von Turin zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als der moderne Sport in Italien gerade seine organisatorische Form fand.

Geschichte

Reise durch die Zeit

Die Geschichte des Velodromo Umberto I ist die Geschichte der Anfänge des italienischen Fußballs und gleichzeitig ein Zeugnis der dynamischen sportlichen Aktivitäten des königlichen Turins an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Gründung und Radsportära (1894-1898)

Das Velodromo wurde 1894 als Rennbahn für den damals beliebten Radsport eröffnet. In den 1890er Jahren erlebte der Radsport in Italien einen enormen Aufschwung – das Fahrrad war ein Symbol der Modernität und Turin als Industriezentrum war das natürliche Epizentrum dieses Phänomens. Die Anlage trug den Namen des Königs Umberto I., der Italien von 1878 bis 1900 regierte und ein Patron der modernen Sportarten war. Die Rennbahn zog Elite-Radsportler aus ganz Italien und dem Ausland an.

Fußballanfänge (1898-Wende Jahrhundert)

Das Jahr 1898 war entscheidend: In diesem Jahr fand im Velodromo Umberto I die erste Austragung der italienischen Fußballmeisterschaft, das sogenannte Campionato Federale, statt. Das Turnier fand am 8. Mai 1898 statt und vier Clubs nahmen daran teil. Sieger wurde Genoa CFC, wobei das gesamte Turnier an nur einem Tag stattfand. Turin wurde so zum Schauplatz der allerersten Anfänge des organisierten Fußballs in Italien. In den frühen Jahren spielten auch turiner Clubs im Velodrom, darunter der zu der Zeit neu gegründete Juventus (gegründet 1897) und Torino FC.

Standort und Erbe

Die Anlage hörte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts auf, ihrem Zweck zu dienen, als die Ansprüche an Fußballstadien und Radrennbahnen zunahmen. Dennoch sicherte ihr historischer Stellenwert – als Wiege des italienischen Fußballs – ihr einen unverwechselbaren Platz in der Geschichte des Sports in Italien. Heute steht an der Stelle des ehemaligen Velodroms moderne Bebauung im Viertel La Crocetta.

Atmosphäre

Spieltag

Die Atmosphäre des Velodromo Umberto I heute wiederherzustellen, ist nur durch Berichte aus der Zeit möglich, als Turin sich erst als moderne Sportmetropole entfaltete. Dennoch kann man sich ein lebendiges Bild davon machen, was dieser Ort für die Einwohner bedeutete.

Sport als gesellschaftliches Ereignis

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war eine Sportveranstaltung im Velodrom eher ein gesellschaftliches Fest als ein massenhaftes Publikumsspektakel. Das Publikum bestand hauptsächlich aus der turiner Bourgeoisie und der industriellen Elite – Menschen, die Sport als moderne und fortschrittliche Unterhaltung betrachteten. Radrennen zog begeisterte Menschenmengen in zeitgenössischen Anzügen an, während Fußballspiele neue, sich gerade bildende Zuschauer- und Spielrituale mit sich brachten.

Wiege des italienischen Fußballs

Gerade an diesem Ort wurde am 8. Mai 1898 der organisierte italienische Fußball geboren. Obwohl das erste Meisterschaftsturnier eine bescheidene Angelegenheit war – vier Teams, ein Tag, Ergebnisse, die heute anekdotisch erscheinen – war es ein bahnbrechender Moment. Das Velodromo Umberto I teilt sich so einen besonderen Platz in der Geschichte des Weltfußballs: es gehört zu den wenigen Orten, an denen der nationale Ligafußball in frühem Europa endgültig ins Leben gerufen wurde.

Praktische Infos

Das Stadion besuchen

Das Velodromo Umberto I existiert heute physisch nicht mehr – die Anlage wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts abgerissen und ihr Platz wurde von moderner Bebauung im turiner Viertel La Crocetta eingenommen. Ganz Turin bietet jedoch eine reiche historisch-sportliche Tourismuslandschaft.

So finden Sie den historischen Standort

  • ÖPNV: Das Viertel La Crocetta ist mit der U-Bahn (Station Re Umberto, Linie 1) oder den Straßenbahnen 4 und 10 vom Stadtzentrum aus erreichbar.
  • Zu Fuß: Vom Piazza Castello sind es etwa 20 Minuten zu Fuß Corso Re Umberto nach Südwesten.
  • Orientierung: Die Umgebung des Mauriziano-Krankenhauses am Largo Turati ist der genaueste Orientierungspunkt für den ursprünglichen Standort des Velodroms.

Was im Kontext des Fußballs in Turin zu besuchen

Für Fußballhistoriker bietet Turin unverzichtbare Ziele:

  • Juventus Museum (Allianz Stadium, Corso Gaetano Scirea) – ein umfassendes Museum des erfolgreichsten italienischen Clubs.
  • Museo del Grande Torino (Stadio Olimpico Grande Torino) – ein würdiges Gedenken an die Tragödie von Superga 1949.
  • Automobilmuseum (MAUTO) – zum Verständnis des industriellen und sportlichen Kontexts von Turin.

Tipps für historische Erkundungen

  • Das Viertel La Crocetta selbst lohnt sich für einen Spaziergang: elegante Jugendstil- und neoklassizistische Häuser aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert evokieren die Ära des Velodroms.
  • Caffè storici: Die historischen Cafés Turins wie Caffè Torino oder Baratti & Milano am Piazza Castello sind Teil derselben sportlich-bürgerlichen Kultur, die dem Velodrom sein Publikum gab.

Karte

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