
Großes Strahov Stadion
Foto: Unknown authorUnknown author · CC BY-SA 3.0 de · zdroj
- Kapazität
- 250 000
- Eröffnungsjahr
- 1926
- Verein
- —
Übersicht
Über das Stadion
Das Große Strahov Stadion steht in Prag auf dem Strahov und ist das größte Stadion der Welt hinsichtlich seiner Fläche — die Rasenflächen sind dreimal länger und breiter als ein Standardfußballfeld und die gesamte Kapazität erreicht beeindruckende 250.000 Plätze. Es wurde 1926 für die Bedürfnisse des VIII. All-Schlittenfestes erbaut und diente von Anfang an als Bühne für Massenkörperübungen ohnegleichen. Jahrzehntelang prägte es den Rhythmus des öffentlichen Lebens in der Tschechoslowakei: zunächst als das sokolische Heiligtum der nationalen Identität, später als kommunistische Bühne der Spartakiaden. Heute sind die Betontribünen als Kulturdenkmal der Tschechischen Republik eingetragen und das Areal überlebt hauptsächlich als Trainingsstätte des Fußballclubs Sparta Prag — ein Riese, der die physischen Dimensionen seines Ruhms bewahrt hat, aber die Menge verloren hat, die ihm Bedeutung verlieh.
Geschichte
Reise durch die Zeit
Die Geschichte des Strahov Stadions beginnt im Jahr 1926, als der Architekt Alois Dryák eine offene Arena mit Holztribünen und teilweise erdigen Wallanlagen für das VIII. All-Schlittenfest entwarf. Das Übungsgelände war von den ersten Tagen an außergewöhnlich: eine Fläche, die Zehntausende von Übenden gleichzeitig aufnehmen konnte, umgeben von Erdwallanlagen, von denen aus Hunderttausende von Zuschauern zusahen. Präsident T. G. Masaryk persönlich kam zu den VIII. und IX. Festen auf seinem Pferd Hector.
In den 30er und 40er Jahren erhielt das Stadion allmählich eine definitivere Form — die Betontribünen ersetzten die Holztribünen, die Kapazität wuchs. Das IX. All-Schlittenfest im Jahr 1932 und das X. Fest im Jahr 1938 festigten Strahov als nationales Sammelplatz. Das dramatische Epilog der sokolischen Ära kam am 27. Juni 1948, als das XI. Fest im Beisein des Präsidenten Klement Gottwald als stiller Protest der Sokol-Bewegung gegen die kommunistische Machtergreifung stattfand — kurz darauf wurde die Sokol-Organisation gewaltsam aufgelöst.
An ihre Stelle traten die Spartakiaden: Massenkörperübungen, die vom kommunistischen Regime in den Jahren 1955, 1960, 1965, 1975, 1980 und 1985 organisiert wurden. Strahov verwandelte sich in ein mächtiges Theater des kollektiven Körpers — Zehntausende von Übenden in synchronisierten Gruppen vor Hunderttausenden von Zuschauern. Die letzte Spartakiade fand 1985 statt.
Nach 1989 verlor das Stadion sowohl den ideologischen als auch den praktischen Grund für seine Existenz. 1990 spielten hier die Rolling Stones, 1994 Pink Floyd und 1995 diente es als Ort für die Messe von Johannes Paul II. Das wiederbelebte XII. All-Schlittenfest im Jahr 1994 fand im Beisein von Präsident Václav Havel statt. Seit 2003 sind die Betontribünen ein geschütztes Kulturdenkmal — ein paradoxes Schutz für ein Gebäude, das langsam verfällt.
Atmosphäre
Spieltag
Wer auf Strahov während der Spartakiaden stand, beschreibt ein Erlebnis, das kaum mit etwas anderem vergleichbar ist. Das Übungsgelände, dreimal größer als ein Fußballfeld, füllte sich mit präzise organisierten Formationen von Übenden — Frauen in Weiß, Männer in Blau — und die Bewegungen breiteten sich wie eine Welle über das Feld menschlicher Körper aus. Die Tribünen mit Zehntausenden von Zuschauern gaben donnernden Applaus, die Musik dröhnte aus Lautsprechern, die über den gesamten Stadionrand verteilt waren. Es war ein Theater staatlicher Macht, aber zugleich ein unvergessliches kollektives Ritual, an das sich Zeitzeugen mit ambivalenter Nostalgie erinnern.
Einst, in der sokolischen Ära, hatte die Versammlung auf Strahov eine andere Bedeutung: Es war ein Ausdruck nationaler Stolz, Zusammengehörigkeit und körperliche Fitness als Tugend. Der Präsident auf der Tribüne, Zehntausende von Übenden auf dem Platz, Hunderttausende zuschauend von den Wällen — Strahov war der Ort, an dem die Nation sich in voller Stärke selbst sah.
In den 90er Jahren und zu Beginn der 2000er Jahre kam eine neue Atmosphäre hinzu: Rockkonzerte. Die Rolling Stones 1990 empfingen Zehntausende von Fans, die oft zum ersten Mal freie Kultur nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erlebten. Pink Floyd 1994 und andere große Namen verwandelten Strahov für einen Moment in einen Ort der Freude ohne Ideologie.
Heute dominiert eine andere Stimmung — Melancholie eines verlassenen Riesen. Die Betontribünen zerfallen, Unkraut wächst aus den Treppen und die riesige Fläche liegt größtenteils leer.
Praktische Infos
Das Stadion besuchen
Das Große Strahov Stadion liegt auf dem Strahov, einem felsigen Ausläufer über der Kleinseite und Smíchov in Prag 6. Der bequemste Zugang mit öffentlichen Verkehrsmitteln bietet die Straßenbahn Nr. 22 (alternativ Nr. 23) mit der Haltestelle Malovanka, von dort ist es innerhalb von zehn Minuten zu Fuß bergauf zur Anlage. Eine Alternative ist der Bus Nr. 143 oder die Anreise mit dem Auto — Parkplätze sind in der Umgebung verfügbar, wenn auch begrenzt.
Das Gelände dient heute hauptsächlich als Trainingszentrum von AC Sparta Prag. Innen gibt es sechs Rasenplätze und zwei mit Kunstrasen; hier trainieren Jugendmannschaften (U7–U19), das Frauenteam und die Reserve. Der Stadionbesuch ist der Öffentlichkeit nur gelegentlich zugänglich — bei Veranstaltungen wie Open House Prag oder organisierten Führungen.
Das Strahov-Areal befindet sich in unmittelbarer Nähe weiterer Sehenswürdigkeiten Prags: Das Strahovkloster mit der Prämonstratenserbibliothek (eine der schönsten barocken Bibliotheken der Welt) ist nur wenige hundert Meter entfernt, ebenso wie die Aussichtsplattform Strahov-Terrasse mit dem Panorama der Prager Burg und der Kleinseite. Die Kombination aus Stadionbesuch und Spaziergang durch Strahov ist daher ein attraktives Programm für jeden, der sich sowohl für Sportarchitektur als auch für das historische Zentrum Prags interessiert.
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